Bücherfrühling in der Stadt

von | März 25, 2013 | Lesetipps|Hörtipps | 1 Kommentar

Der Frühling lässt heuer zwar auf sich warten, dennoch sind die GärtnerInnen schon fleißig und ziehen kleine Pflänzchen auf Fensterbänken oder in Glashäusern vor. Sobald der Boden dann aufgetaut ist, kann er für die kommende Saison vorbereitet werden. Im letzten Jahr sind wieder viele Bücher publiziert worden, die sich insbesondere dem Gärtnern auf kleinstem Raum bzw. im städtischen Umfeld annehmen.

Ich habe einige davon gelesen, letztes Jahr aber keine Zeit mehr gehabt darüber zu berichten. Nun verschafft mir der anhaltende Winter etwas Zeit, das endlich nachzuholen. Im Folgenden möchte ich über diese 3 Bücher berichten:

  1. Josie Jeffrey: Mit Samenbomben die Welt verändern, Ulmer
  2. Judith Anger, Immo Fiebig, Martin Schnyder: Jedem sein Grün – Urbane Permakultur, Selbstversorgzung ohne Garten, kneipp verlag
  3. Andrea Heistinger: Handbuch Bio-Balkongarten, Löwenzahn

Mit Samenbomben die Welt verändern

Mit-Samenbomben-die-Welt-veraendernJosie Jeffrey
www.ulmer.de
ISBN 978-3-8001-7693-9

Samenbomben sind zum Ausdruck für Guerilla Gardening geworden. Zu Hause vorbereitet, in die Tasche gesteckt und an einem passenden Ort fallengelassen bzw. auf eine Brache geworfen, sind sie Ausdruck des Wunsches eine Gegend zu verschönern und diversen Insekten Futter zu bieten.

Josie Jeffrey hat diese Samenbomben zu ihrem Lebensinhalt gemacht und teilt ihre Erfahrungen nun in Form eines Buches mit uns. Sie beginnt mit den Ursprüngen der Samenbomben in Japan und erzählt, wie Masanobu Fukuoka, ein Gründervater des natürlichen Anbaus und der Permakultur, diese für seine Form der Landwirtschaft wiederentdeckt. Mit dem Ausspruch: „Jede Samenbombe ist ein komplettes kleines Universum!“, weist Fukuoka auch schon auf das Geheimnis der kleinen „Erdkugeln“ hin.

Neben einem Grundrezept für Samenbomben (praktisch nach dem „Reinheitsgebot“ Erde, Ton/Lehm, Wasser, Samen) zeigt Josie dann Mischungen für verschiedene Zielgruppen, wie Bienen, Vögel, Schmetterlinge.

Einen großen Teil des Buches widmet sie den Pflanzen selbst. Wunderbar übersichtlich findet man hier neben einem schnellen Steckbrief Details zur Pflanze selbst, zu deren Verwendung in der Küche und natürlich Angaben zum richtigen Zeitpunkt für die Samenbomben. Natürlich fehlen auch nicht die Hinweise auf „falsche Ziele“, wie bspw. genutzte Grundstücke oder andere private Flächen.

Ulmer hat den Inhalt in ein sehr ansprechendes und übersichtliches Layout mit vielen Bildern und Farben gegossen. Es macht immer wieder Freude es in die Hand zu nehmen und ich werde sicher auch dieses Jahr wieder einige Samenbomben in meiner Wohngegend „verlieren“.

Jedem sein Grün – Urbane Permakultur, Selbstversorgzung ohne Garten

jedem_sein_gruenJudith Anger, Immo Fiebig, Martin Schnyder
kneipp verlag
ISBN 978-3-7088-0544-3

Die AutorInnen des Buches entstammen der Permakultur-Schule von Sepp Holzer, dem Agrarrebell aus Salzburg. „Geht nicht, gibts nicht!, das hat sich Holzer sicher oft gedacht und genauso wird in „Jedem sein Grün“ gezeigt, was alles auf kleinstem Raum bzw. in städtischem Umfeld möglich ist. Nach der Lektüre dieses Buches findet wohl JedeR ein Fleckchen in oder vor seiner/ihrer Wohnung an dem ausprobiert werden kann, ob man nicht doch einen grünen Daumen hat. Ob das nun Blumentröge oder eine kleine Windowfarm direkt am Fenster sind, Hochbeete, Kegelbeete oder Salatampeln auf einem Balkon oder einer kleinen Terrasse oder eine kleine Fläche in der Umgebung auf der man zum/r Guerilla GärtnerIn wird, ergibt sich aus den persönlichen Wohnverhältnissen. Verständlicherweise geht nicht alles überall, doch wie gesagt: Geht nicht, gibts nicht! Es ist mehr möglich, als man im ersten Moment vermuten mag. Man braucht nur ein wenig Kreativität, Mut und Wille und ein Buch wie „Jedem sein Grün“.

Neben der Vorstellung diverser Projekte in Österreich, der Schweiz, den USA und anderen Ländern, eröffnen die AutorInnen auch einen Einblick ins Pflanzenlatein und geben dort neben Infos zu den häufigsten (Gemüse-)Pflanzen auch Hinweise zu Kompost und guten Nachbarschaften einzelner Pflanzen.

Leider hat der kneipp verlag beim Layout weniger Kreativität als die AutorInnen beim Inhalt gezeigt. Hellgrauer Text auf hellgrünem Hintergrund ist unglaublich schwer zu lesen. Auch fehlen unter manchen Bildern die Bildunterschriften, sodass die Leserschaft nur raten kann, was auf dem Bild gezeigt wird bzw. wo es aufgenommen wurde. Ein kleiner Wermutstropfen beim Lesen selbst.

Handbuch Bio-Balkongarten

handbuch_bio-balkongartenAndrea Heistinger
www.loewenzahn.at
ISBN 978-3-7066-2494-7

Auch Andrea Heistinger  bedient mit ihrem neuen Buch die StadtgärtnerInnen. Die Autorin ist ja schon szenebekannt mit ihren Handüchern über Bio-Gemüse und Samengärtnerei. Dass diesmal Kleinstgärtner auch auf ihre Rechnung kommen, freut mich besonders.

In zahlreichen Beispielen werden Balkon-, Terrassen- und Kleinstgärten vorgestellt und zum Teil mit Handskizzen detailgenau erklärt.  Dazu gibt es Bauanleitungen für Wurmkompost (habe ich dann auch gleich nachgebaut und dieses Jahr schon den ersten Kompost geerntet), Tröge mit Wasserreservoirs und andere Bewässerungssysteme, Ranksysteme und vieles mehr.  Vom Samen, über den Boden bis zum Mulchen und Ernsten wird alles erklärt. Es bleiben kaum noch Fragen offen.

Natürlich fehlen auch die umfassenden Pflanzenbeschreibungen nicht, übersichtlich gegliedert in Kräuter, Rank-, Blatt- und Fruchtgemüse.  Und wie in den anderen Büchern der Autorin auch gibt es wieder Tipps und Tricks von Arche Noah GärtnerInnen, die aus ihrer Praxis berichten.

Resümee

Mit diesen 3 Büchern kann man voller Energie in die Gartensaison in der Stadt starten. Eine mögliche Überforderung ob der Vielfalt zu Beginn geht schnell in eine Expeditionsgeist über. Die Suche nach dem geeigneten Ort selbst in einer Wohnung ohne Balkon oder Terrasse wird zum Abenteuer. Wer etwas mehr Platz hat findet viele Ideen, wie auch der kleinste Raum produktiv genutzt werden kann, insbesondere indem man die die dritte Dimension, die Höhe, durch Rankgerüste ausnutzt. Oder man sucht sich eben einen „freien“ Platz in seiner Umgebung, eine ungenutzte Brache, ein Stück Grün, das nicht genutzt wird und niemandem fehlt. Ein gutes Beispiel für letzteres ist der Längenfeldgarten, der nun bereits im 4. Jahr genutzt wird und stetig wächst.

Also, worauf noch warten, erdet euch, baut euch eure eigene Zukunft! Und berichtet hier in Kommentaren über eure Erfahrungen.

1 Kommentar

  1. Svenja

    Tolle Bücher! Das Samen-Bombing kannte ich noch gar nicht, stelle ich mir aber teilweise wirklich lustig vor. Da muss ich unbedingt mal auf „unnormale“ schöne Flecken bei uns achten.

    Das Buch zum Bio-Balkon-Gemüse kaufe ich mir auf jeden Fall, vielleicht habe ich ja Glück und wir bekommen dieses Jahr noch ein bisschen Sonne ab ;-)

    Antworten

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